HSBC kommt nach Geldwäsche für Drogenbarone mit Geldstrafe davon – ein Kommentar

| 12. Dezember 2012 | Keine Kommentare

Stellen wir uns mal vor, Sie lieber Leser, würden dabei geschnappt werden, wie sie in einer dunklen Hinterhofecke ein, zwei Gramm Kokain verkaufen würden. Klar, Kokain darf man nicht verkaufen und auch der Besitz kommt bei den Polizeikräften nicht gut an. Aber hier haben Sie ja verkauft – damit sind Sie ein Drogen-Dealer. Sie werden festgenommen, eingesperrt und dürfen auf Ihren Prozess warten, der Ihnen weitere Jahre im Gefängnis einbringen dürfte. Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz – damit ist nicht zu spaßen und da muss man hart durchgreifen. Ihr Leben – sofern Sie eins hatten – dürfte durch die Verurteilung und den Gefängnisaufenthalt ziemlich aus den Fugen geraten. Ihre Lebensplanung wäre dahin, viele Möglichkeiten wären Ihnen auf Dauer verschlossen. Sie würden richtig bestraft werden.

Nunja, werden Sie nun sagen, das habe ich mir ja auch selbst eingebrockt, was will ich da erwarten? Ja, das haben Sie tatsächlich selbst zu verantworten … und bei Drogen kennen die Behörden nun mal kein Pardon…

HSBC Headquarter, Canary Wharf, London

Das Firmenlogo am Gebäude der HSBC ist mal wieder nicht beleuchtet – nur schemenhaft kann man es in der Dunkelheit erkennen. Dunkle Geschäfte haben der Bank jetzt eine Strafe von 1,92 Mrd. US$ beschert. (Foto: Markus Burgdorf)

Wechseln wir jetzt mal den Schauplatz. Schauen wir mal nach London in den Stadtteil Canary Wharf: Dort steht ein schöner Glaspalast der HSBC, einer internationalen Bank, die, wie man inzwischen weiß, jahrelang für Drogenkartelle das Geld gewaschen hat. Die sozusagen als Banker der Drogenbarone das ganz große Rad in der Drogenszene gedreht hat. Internationale Transaktionen schmutzigen Geldes? Kein Problem, die HSBC ist ihre lokale, internationale Bank.

Nun wurde auch die Bank dabei geschnappt, wie sie mit ihren Instrumenten den internationalen Drogenhandel so attraktiv gemacht hat. Denn wenn aus dem schmutzigen Drogengeld frische unbelastete Guthaben und Beteiligungen werden, dann lohnt sich der ganze Aufwand mit den Drogen doch gleich richtig. Nebenbei kann man auch noch ein paar Terroristen finanzieren – so bringt das Banking für „vermögende Kunden“ richtig Spaß.

Ok, die Bank wurde geschnappt. Ihr konnte nachgewiesen werden, dass sie über Jahre Gelder aus Mexiko, Saudi Arabien und dem Iran gewaschen und in die USA überführt hat. „Perdone, das ist nun wirklich unsere Privatsache“, so ein Bankmanager der unerkannt bleiben will. Doch irgendwie liessen sich die lästigen Ermittler nicht abschütteln und die Berge an Beweisen nicht rechtzeitig vernichten.

Der Beweis steht. Und was passiert dann? Wandern die verantwortlichen Banker in Untersuchungshaft und warten dort nun auf ihren Prozess, der ihre Geldwäscher-/Banker-Karriere beenden wird? Ganz so, wie der kleine Dealer, der im Hinterhof geschnappt wurde? Schließlich haben sie gewerbsmäßig Gelder gewaschen und sie wussten auch, was das für Gelder waren. Sie haben also mit ihrem Handeln zum Beispiel für mexikanische Drogenbarone das Geschäft erst einträglich gemacht. Sieht man sich diesen Einfluss auf das globale Drogengeschäft an, so müssten doch Spezial-Einheiten das Konzern-Gebäude in Themse-Nähe hochnehmen, massenhaft Täter verhaften und diese kriminelle Vereinigung schliessen.

Doch das ist ja eine Bank – und deshalb geht das nicht. Man packt also die Samthandschuhe aus und geht ganz vorsichtig vor. Da die HSBC das Geschäftsjahr 2011 mit 18 Milliarden US-Dollar Gewinn abgeschlossen hat, kann man davon ja rund 10 Prozent abschöpfen – das tut nicht weh… Und wenn die Bank dann noch verspricht, in Zukunft die Hände vom Drogen- und Terroristengeld zu lassen, dann ist ja alles gut. Nicht zu vergessen, dass die Bank auch ein personelles Opfer bringt: Da wird doch tatsächlich der leitende Compliance Manager entlassen, das war der, der ohnhin nur rumgenervt hat, da er sich darum kümmern sollte, dass die Bank keine krummen Geschäfte macht.

Ok, werden wir zum Schluss noch einmal ernst: Es muss sich jedem Menschen, der noch ein wenig an Gerechtigkeit bei Strafverfolgungsbehörden glaubt, der Magen verkrampfen, wenn er hört, dass eine Bank, die über Jahre kriminelle Organisationen unterstützt hat, so billig und einfach davonkommt. Mitarbeiter dieser Bank sollten sich schämen, diese Organisation zu vertreten und Kunden dürfen sich gerne weiter darüber wundern, dass diese Bank sie hemmungslos ausnimmt, wenn man das Konto nur um einen Pence überzieht. So kostet eine kurzzeitige Überziehung bei der HSBC aktuell  25 Pfund Strafe, zusätzlich zu den über 25 Prozent Zinsen, die die Bank ohnehin  kassiert. Was will man von einer Organisation erwarten, die so enge Beziehungen zur Drogenmafia hat?

Da fällt mir noch ein, dass ich am letzten Samstag bei einer Post-Bar-Einzahlung von 272 Euro nach Name, Geburtsdatum und Geburtsort gefragt wurde. Ich könnte ja ein Geldwäscher sein und 272 Euro waschen wollen…

(Markus Burgdorf)

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Kategorie: Kommentar

Über den Autor ()

Markus Burgdorf ist ausgebildeter Journalist und PR-Berater. Er schreibt heute für Kunden, Medien und seine Webseiten.

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