Ausblick auf die kommende Börsenwoche – RWE leidet unter E.ON Präsentation

| 21. Januar 2013 | Keine Kommentare

Wahlen in Niedersachsen

Die Zeit vergeht bekanntlich im Fluge. Das muss sich auch Peer Steinbrück, Kanzlerkandidatder SPD, denken. Im September ist schon Bundestagswahl. Ihm bleiben nicht mehr viele Gelegenheiten, um die Wähler für sich zu gewinnen und klarzustellen, dass er eine Alternative zu Kanzlerin Angela Merkel von der CDU sein kann. Die Landtagswahl in Niedersachsen ist gelaufen. Die Lager von CDU/FDP und Rot/Grün liegen gleichauf, zuletzt hat es in Niedersachsen nach Zitterpartie doch für Rot/Grün gereicht.   Wirtschaftsminister und FDP-Chef Rösler sieht sich in seinem Kurs bestätigt – sein politisches Überleben hat er jedoch den taktisch wählenden niedersächsischen CDU-Wählern zu verdanken – und am Montagvormittag sieht es ganz danach aus, als komme hier ein FDP-Parteitag kurzfristig, um eine Lösung für das parteiinterne Gehacke zu finden.

Obama 2.0

Die USA stecken weiter in der Schuldendebatte fest. Auf den 44. Präsidenten der USA, Barack Obama von den Demokraten, kommen erneut schwierige Zeiten zu. Sein Vorteil: Er kämpft nun nicht mehr um eine Wiederwahl. Am Montag wird der Präsident traditionell auf den Stufen des Kapitols in Washington in seine zweite Amtszeit eingeführt.

Die Bilanz seiner ersten vier Jahre belastet Obama jedoch. Zwölf Millionen seiner Landsleute sind weiterhin ohne Job, die Republikaner werden dem alten und neuen Präsidenten auch 2013 und darüber hinaus das Leben schwer machen. Viele Posten in seiner Regierung sind noch in der Besetzungsphase. Doch die Schulden sollten beiden Parteien in den USA zu viel werden. Das Thema „fiscal cliff“ wird uns alle weiter beschäftigen. In ein paar Wochen ist die gesetzlich verankerte Schuldengrenze von 16,4 Billionen US-Dollar erreicht. Die Rating- Agentur Fitch gab bereits mit der Androhung eines Downgrades einen Warnschuss auf Washington ab – ein weiterer Vertrauensverlust für das Investmentland USA steht demnach vor der Tür.

Dies alles bildet keinen geeigneten Cocktail für weiter steigende Kurse an den Aktienmärkten und birgt für die globalen Finanzmärkte zusätzlichen Zündstoff. Für Trader Grund genug, „angeschnallt“ zu bleiben und behutsam, ja vorsichtig zu agieren. In den nächsten Tagen und Wochen ist durchaus ein Abwärtspotenzial ersichtlich.

Die US-Schuldenkrise steht ganz oben auf der Agenda der Händler. Jedem Anleger sollte klar sein: Bekommen die USA ihr „fiscal cliff“ nicht in den Griff, so droht der Weltwirtschaft ein starker Einbruch. Europa, Japan, die USA würden in eine tiefe Rezession fallen. Vor allem die USA selbst wären mit einem durch Experten errechneten Minus von rund 5 Prozent des BIP katastrophal betroffen. Auch China würde stark zurückfallen. Die Republikaner wollen nun für drei Monate die Schuldengrenze anheben. Dies war vom Markt bereits erwartet worden – auch Washington kauft sich folglich Zeit. Diese Vorgehensweise kennt man aus Brüssel, Berlin, Paris, Rom, Madrid usw. im Zusammenhang mit der europäischen Staatsschuldenkrise bereits bestens. Ungewöhnlich für die Politik ist die Selbstgeißelung der Republikaner, die dem Repräsentantenhaus in den kommenden Tagen einen neuen Gesetzentwurf vorlegen wollen. Der Vorschlag: Wenn bis zum 15. April keine Lösung in Sicht ist, sollen die Gehälter der Kongressmitglieder eingefroren werden! Dieser Druck sollte wirken.

Neuer Eurogruppenchef voraus

Die neue Woche bringt das Treffen der Euro-Finanzminister zwecks Wahl eines neuen Vorsitzenden in Brüssel. Der Luxemburger Jean-Claude Juncker wird wohl mangels anderer Kandidaten durch Jeroen Dijsselbloem aus den Niederlanden abgelöst.

Volkswirtschaftliche Daten und Unternehmensnachrichten

Die neue Handelswoche startet schon im asiatischen Handel mit der Sitzung der Bank of Japan (BoJ), britischen Häusermarktdaten und dem australischen Produzentenpreisindex für das vierte Quartal 2012. In der europäischen Handelszeit kommen deutsche Erzeugerpreise für den Monat Dezember, Daten zur Industrieproduktion für das dritte Quartal 2012 und Immobilienmarktdaten aus der Schweiz für das vierte Quartal 2012. Vorbörslich um 07:30 gibt Wincor-Nixdorf sein Ergebnis des ersten Quartals bekannt. Der Montag bleibt somit ruhig. Die US-Börsen sind aufgrund des Martin-Luther-King-Days geschlossen. In Washington wird Präsident Obama auf den Stufen des Kapitols neu vereidigt.

Der Dienstag bringt in der Nacht die Leitzinsentscheidung der Bank of Japan (BoJ) – der Zins wird mit 0,1 Prozent weiterhin unverändert erwartet. Ferner werden der japanische All- Industry-Index und der ESRI-Frühindikator für den November ausgegeben. Um 10:30 Uhr erreichen die Trader wie gewöhnlich britische Daten – diesmal Haushaltsdaten. Um 11:00 Uhr wird der ZEW aus Deutschland bekanntgegeben. Nach dem US-Feiertag am Montag starten die USA nun mit den ersten volkswirtschaftlichen Daten in die neue Handelswoche. Der Chicago-Fed-National-Activity-Index für den Monat Dezember erreicht die Trader um 14:30 Uhr, Daten zu den Verkäufen bestehender Häuser aus den USA kommen um 15:00 Uhr. Von der Unternehmensseite veröffentlichen DuPont, Travelers Cos, Verizon sowie Johnson & Johnson vorbörslich ihre Q4-Zahlen. Nach US-Börsenschluss kommen Daten von Google, IBM, AMD, Texas Instruments und vom australischen Rohstoffriesen BHP Billiton.

Der Mittwoch bringt in Sachen „earning season“ Quartalszahlen von Novartis (CH), Siemens (D), Unilever (NL); vor US-Börsenstart veröffentlichen zudem United Technologies, Abott Laboratories und McDonalds Zahlen zum vierten Quartal. SAP liefert seine finalen Zahlen, nachdem der Vorgeschmack an der Börse und im DAX schon mager ausfiel (Papiere von SAP brachen nach dem Bericht kräftig ein). Apples Zahlen werden gespannt erwartet und können den gesamten Tech-Sektor in Atem halten. Von der volkswirtschaftlichen Seite startet der Mittwoch bereits im asiatisch-pazifischen Handel mit einer Reihe von australischen Daten zum vierten Quartal 2012, etwa den Verbraucherpreisen und dem Westpac-Leading-Index für November. Die Bank of Japan gibt ihren monatlichen Bericht zur Wirtschaftsentwicklung aus – nach den gigantischen Stimuli sind die Auswirkungen für die japanischen Märkte mit Sicherheit für jeden Trader von Interesse, vor allem Trader der JPYCrosses an den Devisenmärkten. In der europäischen Session kommt die Bank of England (BoE) mit ihren „Minutes“, im weiteren Verlauf erreichen die Trader britische Arbeitsmarktdaten – die britische Arbeitslosenrate verharrt bei 7,8 Prozent. Aus Kanada trifft um 16:00 Uhr der Leitzinsentscheid der Bank of Canada (BoC) ein – der Zins wird weiterhin auf dem Niveau von 1,00 Prozent verbleiben.

Der Donnerstag steht im Zeichen der europäischen Einkaufs- und Dienstleistungsmanagerindizes aus Frankreich und Deutschland. Obendrein liefert der italienische Einzelhandel Daten, und die EU-Zahlungsbilanz kommt heraus. Aus den USA erreichen die Trader US-Arbeitsmarktdaten (14:30 Uhr) sowie Frühindikatoren für den Monat Dezember (16:00 Uhr). Rohstofftrader schauen auf den Öl- und den Erdgasbericht der EIA. Weitere Unternehmen präsentieren ihre Quartalszahlen: Beiersdorf (D), Vienna Insurance (A), Nokia (SF), United Continental Holdings (USA) und Microsoft (USA) werden die Aktienmärkte bewegen.

Am Freitag kommen im asiatischen Handel der japanische Verbraucherpreisindex für den Dezember, Daten zum britischen BIP für das vierte Quartal sowie der britische Dienstleistungsindex für November. Die Aktienmärkte werden in Europa abermals auf den ifo-Geschäftsklimaindex für den Januar schauen, da dieser als klassischer Impulsgeber gilt. Aus den USA kommen zum Wochenschluss noch die Verkäufe neuer Häuser und aus Kanada Verbraucherpreise für den Dezember. Zum Abend in Europa (18:00 Uhr) erscheinen noch französische Arbeitsmarktdaten. Auf der Unternehmensseite präsentiert Procter & Gamble vor der US-Markteröffnung Quartalszahlen.

RWE-Aktie steht derzeit nicht gerade unter Strom

Das Papier von RWE ist seit Jahresbeginn verstärkt unter Druck geraten. Zahlreiche Analysten brachten neue Kursziele für das Essener Energieunternehmen. Zielbereiche von 27 und sogar 25 Euro wurden dabei genannt. Sehr weit ist die Aktie derzeit nicht gerade davon entfernt. Ähnlich wie der Energieriese E.ON AG leidet die RWE AG am Auslaufen des Atomenergiemodells und an der Energiewende. Seit November verlor das Papier konsequent – von 35 bis 36 Euro ging es bis unter 29 Euro gen Süden. Das sind runde 20 Prozent Minus in doch recht kurzer Zeit. Am 5. März 2013 präsentiert RWE seinen Bericht zum Geschäftsjahr 2012, und parallel erfolgt eine Investoren- und Analystenkonferenz via Telefon.

Die Kursentwicklung der RWE Aktie

Die Kursentwicklung der RWE Aktie

Am 18. April 2013 hält die RWE AG dann ihre Hauptversammlung ab. Selbst wenn die Dividende gekürzt werden sollte, ergibt sich bei derzeitigen Kursen noch eine Rendite von rund 5 Prozent. Der Ausblick von RWE wird durch die bereits vergangene Präsentation des Konkurrenten E.ON überschattet. E.ON hatte nach der Vorstellung seiner Zahlen und der Ankündigung einer Dividendenkürzung herbe Verluste an der Börse zu verzeichnen.

Fraglich ist nun, inwieweit der Markt dies bereits in der Aktie von RWE eingepreist hat. Die Insider-Daten geben nicht sehr viel für eine Sentiment-Analyse her. Kein Insider verkaufte jedoch bei Kursen deutlich oberhalb der 30-Euro-Marke. Insider Pohlig, Birnbaum, Graef und Terium sind 2012 zu Kursen von 28,50 bis 31 Euro an Bord gekommen. RWE hat jedoch seine Stromproduktion für 2013 schon Mitte November abgesichert. Die schlechteren Daten könnten demnach wohl eher für das Geschäftsjahr 2013 von Belang sein. Zudem hat RWE einen Anteil von über 60 Prozent Strom aus Kohlekraftwerken, die günstig Strom produzieren, und steht am Markt demnach besser da als Konkurrent E.ON.

Erstes Durchatmen des Jahres

DAX-Future

Die richtungslose Tendenz des DAX-Future war auch letzte Woche Programm, und die Marke von 7.650 bot eine gute Kaufgelegenheit. Neue Jahreshochs konnten allerdings nicht ausgebildet werden. Es bleibt somit weiterhin das Long- Seitwärts-Bild aktuell, bis die Marke von 7.600 nachhaltig nach unten durchbrochen wird. Das Handeln sollte allerdings immer vorsichtiger angegangen werden. Erst ein klarer Ausbruch über die 7.800 könnte bei einem Rücksetzer Chancen zum Kauf bieten. Innerhalb der aktuellen Range sind Käufe eher als spekulativ anzusehen. Bei Kursen unter 7.600 hätte der Markt Luft bis zur nächsten Unterstützung um
7.475.

Euro/ USD– Future

Der starke Aufwärts-Move der vorletzten Woche konnte nur minimal fortgeführt werden, und die letzten fünf Handelstage waren eher ein kurzatmiges Auf und Ab. Weiterhin ist der Vorteil auf der Long-Seite, solange die 1,3200 nicht nachhaltig nach unten durchbrochen wird. Einige Käufer haben zum Beispiel die Marke von 1,3240 ins Auge mit dem Minimalziel 1,3340 gefasst. Auf der anderen Seite fokussieren sich einige Verkäufer auf das aggressive Ausnutzen einer eventuellen Erholung – und spekulieren auf einen Fehlausbruch knapp über den Hochs um 1,3400.

Bund Future

Wie angenommen bewegte sich der Bund-Future letzte Woche ebenfalls seitwärts, mit einer leichten Erholungstendenz. Für die kommende Woche könnte es erneut etwas abwärts gehen, und Ziele von 141,70/141,00 könnten angelaufen werden. Erst bei einem Überschreiten der 144,00 ist das aktuelle Short-Setup vom Tisch, und Vorsicht sollte im Vordergrund stehen!

S&P Future

Erneut konnte der S&P-Future neue Jahreshochs erklimmen, und er zeigt weiterhin Stärke. Konsolidierungen waren nur von sehr kurzer Natur und boten die eine oder andere Kaufgelegenheit. In den kommenden Tagen steht die Ampel tendenziell weiterhin auf Grün, wobei die Erholungsgefahr von Woche zu Woche steigt! Kurzfristig sind Long-Trades weiterhin umsetzbar, für längerfristige Long-Ideen sollte jedoch die Erholung abgewartet werden. Ein Fallen in Richtung 1.433/1.420 wäre hierfür ideal.

RWE AG

Die Aktie von RWE ist charttechnisch schon seit längerem klar auf der Short-Seite unterwegs und verzeichnete seit November letzten Jahres wieder vermehrt rote Zahlen. Entscheidend ist nun die Unterstützung knapp unter der 28-Euro-Marke. Sollte diese halten oder nur kurz unterschritten werden, so könnte ein aggressiver Long-Trade in Richtung 32,50 Euro eine Option sein. Bei einem Durchbruch durch die 28-Euro-Marke wäre allerdings auch ein Fallen in Richtung der alten Tiefs vom September 2011 knapp über 20 Euro möglich.

(Dieser Wochenausblick wurde uns von LYNX B.V. Germany Branch zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt)

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Kategorie: Aktienmärkte, Marktkommentar

Über den Autor ()

Markus Burgdorf ist ausgebildeter Journalist und PR-Berater. Er schreibt heute für Kunden, Medien und seine Webseiten.

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