10 Motivationsfaktoren für deutsche Arbeitnehmer: Branchenvergleich zeigt erhebliche Unterschiede

| 10. Februar 2018 | Keine Kommentare

78 Prozent der deutschen Arbeitnehmer freuen sich an mindestens jedem zweiten Morgen auf ihren Job. Wenn sie im Tourismus arbeiten, gehören sie vermutlich dazu; entwerfen sie Werbekampagnen, ist es weniger wahrscheinlich. Auch wenn eine faire finanzielle Entlohnung nicht zu unterschätzen ist: Geld ist nicht alles. Vielmehr zählen ein vertrauensvoller Umgang in einem guten Team, die Anerkennung durch Vorgesetzte, die zudem gut mit Problemen umgehen können, sowie ein angemessener Freiraum. Was den deutschen Arbeitnehmer motiviert und wie die Branchen im Vergleich dastehen, hat Qualtrics, der führende Anbieter von Experience-Management-Software, im Rahmen einer Arbeitnehmerumfrage ermittelt.

70 Prozent der Mitarbeiter im Chemiebereich freuen sich nicht auf ihre Arbeit - in der Informations- und Telekommunikationstechnik sind es nur 40 Prozent. (Quelle: qualtrics)

70 Prozent der Mitarbeiter im Chemiebereich freuen sich nicht auf ihre Arbeit – in der Informations- und Telekommunikationstechnik sind es nur 40 Prozent. (Quelle: qualtrics)

Die Studienergebnisse lassen darauf schließen, dass die Arbeitnehmer aus der Informations- und Telekommunikationsbranche besonders motiviert sind. 60 Prozent der in der ITK-Branche Beschäftigten geben in der Qualtrics-Arbeitnehmerbefragung an, sich meistens auf die Arbeit zu freuen, wenn sie morgens aufstehen. Auf Platz zwei der motiviertesten Arbeitnehmer finden sich die im Tourismus und in der Gastronomie Beschäftigten wieder. Hier freuen sich 57 Prozent fast täglich auf die Arbeit. Demgegenüber stehen lediglich 31 Prozent der Arbeitnehmer aus der Medien- und Werbebranche, die fast täglich oder täglich mit einer positiven Grundstimmung dem Job gegenüber aufwachen. Damit landen die in den Medien oder Werbung Beschäftigten auf dem letzten Platz der Branchen mit den motiviertesten Mitarbeitern Deutschlands. Doch was motiviert deutsche Arbeitnehmer?

10 Faktoren für die Arbeitnehmermotivation:

1. Anerkennung durch den Vorgesetzten

Einer der wichtigsten Motivatoren bei der Arbeit ist die Anerkennung durch die oder den Vorgesetzte(n). Fehlt sie, sind Arbeitnehmer besonders frustriert, Wertschätzung hingegen steigert die Identifikation mit Job und Unternehmen und damit verbunden auch die Motivation und Einsatzbereitschaft: 86 Prozent derer, die fast immer Anerkennung für gute Arbeitsleistung erfahren, freuen sich fast täglich darauf, in die Arbeit zu gehen. Wiederum sagen nur 14 Prozent der Befragten, die fast nie Wertschätzung für gute Arbeitsleistung erfahren, sie würden sich täglich oder fast täglich darauf freuen, in die Arbeit zu gehen.

Korrelation Anerkennung durch den Chef und Motivation der Mitarbeiter

Wenn Chefs die Arbeit ihrer Mitarbeiter anerkennen und diese auch loben, steigt die Motivation stark an. (Grafik: Qualtrics)

Im Branchenvergleich erreichen die Chefs aus der Tourismus- und Gastronomiebranche sowie aus der ITK-Branche Spitzenwerte, was das positive Feedback betrifft. Und siehe da: Arbeitnehmer aus diesen Branchen freuen sich morgens auch besonders auf die Arbeit und landen auf Platz 1 beziehungsweise 2 der Branchen mit den motiviertesten Mitarbeitern. Die Bosse aus der Medien- und Werbebranche hingegen tummeln sich, was die Wertschätzung angeht, im Mittelfeld. Am wenigsten zufrieden mit der erfahrenen Anerkennung sind die im Maschinenbau Beschäftigten. Auf einer Skala von 1 bis 5, wobei 1 für fast nie und 5 für fast immer steht, wird die Frage „Wie konstant erhalten Sie von Ihren Vorgesetzten Anerkennung für gute Arbeitsleistungen?“ im Schnitt mit 2,98 beantwortet, was deutlich unter dem Branchendurchschnitt von 3,23 liegt.

 

2. Vertrauen in das eigene Team

Wer mit seinen Kolleginnen und Kollegen gut zurechtkommt und denselben vertraut, fühlt sich in der Arbeit wohler und ist motivierter. Insgesamt haben deutsche Arbeitnehmer eine vertrauensvolle Beziehung zu ihren Teamkollegen, hat Qualtrics ermittelt. 62 Prozent aller Befragten geben an, ihren Teamkollegen häufig oder immer zu vertrauen und nur 12 Prozent vertrauen ihrem Team gar nicht bis wenig. Das meiste Vertrauen in ihre Kollegen setzen die Beschäftigten aus der Textilbranche, gefolgt von denen aus dem Tourismus und der Gastronomie. Auch in der ITK-Branche, Deutschlands Branche mit den motiviertesten Arbeitnehmern, ist das Vertrauen in das Team gut ausgeprägt: 70 Prozent der Befragten geben an, diesem häufig oder immer zu vertrauen. In der Medien- und Werbebranche sind es mit 53 Prozent nur knapp die Hälfte der Arbeitnehmer, die glauben, auf ihre Kolleginnen und Kollegen bauen zu können. Damit liegen sie unter dem Branchendurchschnitt.

 

Studie Vertrauen in die Kollegen

Im Maschinenbau vertrauen die Mitrarbeiter ihren Kollegen am wenigsten. (Quelle: Qualtrics)

 

Am geringsten ausgeprägt ist das Vertrauen in die eigenen Teamkollegen bei den Arbeitnehmern aus dem Maschinenbau: 45 Prozent der Befragten aus dieser Branche geben an, sie würden ihrem Team gar nicht oder wenig vertrauen und nur 33 Prozent sagen, sie würden ihren Teamkollegen häufig oder immer vertrauen. So verwundert es auch nicht, dass die Maschinenbaubranche in der Rangliste der Branchen mit den motiviertesten Mitarbeitern lediglich Platz 8 von 10 belegt.

3. Vertrauen in die oberste Führungsriege

Während es um das Vertrauen in die Teamkollegen an deutschen Arbeitsplätzen insgesamt gut bestellt ist, scheint es am Vertrauen in die Kompetenz der obersten Führungsriege zu mangeln. Auf einer Skala von 1 bis 5, wobei 1 für wenig und 5 für sehr viel Vertrauen steht, liegt der Durchschnittswert für das Vertrauen in das eigene Team im Branchenvergleich bei 3,71. Die Kompetenz der Führungskräfte hingegen wird im Branchendurchschnitt nur mit 2,4 bewertet. Hier gibt es also Handlungs- und vor allem auch Kommunikationsbedarf. „Die interne Kommunikation kann hier entscheidende Veränderungen bringen, denn sie erklärt dem Mitarbeiter unter anderem die Schritte, die das Management gehen muss, um die Firma erfolgreich zu machen oder den Erfolg zu bewahren“, weiß Markus Burgdorf, Kommunikationsberater und Geschäftsführer der Kommunikationsagentur Avandy.

 

Vertrauen in die Führungskräfte von Firmen

Das Vertrauen in die Fähigkeiten der Spitzenmanager ist deutlich geringer, als das Vertrauen in die Kollegen. Insbesondere Tourismus, Gastronbomie und Lebensmittelbranche haben Verbesserungsbedarf. (Grafik: Qualtrics)

 

Als besonders kompetent erleben die Arbeitnehmer aus dem Tourismus und der Gastronomie, aus der ITK- und aus der Lebensmittelbranche die oberste Leitung ihrer Organisation. Am wenigsten kompetent wird die oberste Führungsriege in Unternehmen aus der Chemiebranche, dem Maschinenbau sowie aus den Medien und der Werbung wahrgenommen.

 

4. Vertrauen der Führungskraft in die Mitarbeiter

Das Vertrauen einer Führungskraft in die eigenen Mitarbeiter lässt sich unter anderem daran ablesen, wie häufig sie den Mitarbeitern ermöglicht, sich im Rahmen ihrer Tätigkeit zu verwirklichen und Neues auszuprobieren. Den Ergebnissen der Studie zufolge, erhalten die Arbeitnehmer aus der Tourismus- und Gastronomiebranche am ehesten die Möglichkeit, sich zu verwirklichen, gefolgt von den Mitarbeitern aus der ITK-Branche – die beiden Branchen mit den höchsten Motivationswerten. Wer also an die Fähigkeiten seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter glaubt, wird mit einem Extra an Arbeitsmotivation belohnt. Den Arbeitnehmern aus der Maschinenbaubranche werden Verantwortung und Freiraum den Umfrageergebnissen zufolge am seltensten zugestanden. Sie sind auch das Schlusslicht, was die Mitarbeitermotivation angeht. Nicht viel besser stehen die Befragten aus der Automobil- und aus der Chemiebranche da.

Freiräume für Mitarbeiter, in denen diese auch mal etwas Neues ausprobieren können, finbdet man im Bereich Tourismus und Gastronomie, der Maschinenbau ist hier wieder einmal Schlusslicht. (Grafik Qualtrics)

Freiräume für Mitarbeiter, in denen diese auch mal etwas Neues ausprobieren können, finbdet man im Bereich Tourismus und Gastronomie, der Maschinenbau ist hier wieder einmal Schlusslicht. (Grafik Qualtrics)

5. Fähigkeit der Führungskraft, Probleme zu lösen

Entscheidend für das Klima am Arbeitsplatz ist auch, wie gut Vorgesetzte mit akut auftretenden Problemen oder Konflikten umgehen können. Auch hier werden die Kompetenzen der Chefs im Branchenvergleich unterschiedlich wahrgenommen. Die Chefs aus der ITK-Branche erreichen wieder hohe Werte, wie auch jene aus dem Tourismus und der Gastronomie. Auch die Vorgesetzten aus der Medien- und Werbebranche können punkten, wenn es um ihre Fähigkeiten als Problemlöser geht. Besonders schlecht scheint es hingegen um die Problemlösungskompetenz der Bosse aus der Maschinen- sowie aus der Chemiebranche bestellt. Nur 31 Prozent der Befragten aus dem Maschinenbau und 39 Prozent der Befragten aus der Chemiebranche geben an, ihre Vorgesetzten bei akut auftauchenden Problemen als effektiv oder als sehr effektiv zu erleben. Diese beiden Branchen landen auch auf dem vorletzten respektive auf dem letzten Platz der Branchen mit den motiviertesten Mitarbeitern Deutschlands.

 

6. Eine gesunde Work-Life-Balance

Auch wenn der Job Spaß macht, Team und Vorgesetzte hinter einem stehen: Leidet das Privatleben, nutzt auch der beste Arbeitgeber nicht. 78 Prozent der insgesamt Befragten, die mit ihrer Work-Life-Balance sehr zufrieden sind, freuen sich fast täglich auf ihren Job. Im Branchenvergleich sind die Arbeitnehmer aus der ITK-Branche am zufriedensten mit dem Verhältnis zwischen Arbeitszeit und Privatleben: Auf einer Skala von 1 bis 5, wobei 1 für sehr unzufrieden und 5 für sehr zufrieden steht, erreichen sie mit 3,83 den im Branchenvergleich höchsten Wert. Dicht darauf folgen die Arbeitnehmer aus der Tourismus- und Gastronomiebranche mit einem Wert von 3,8. Am unzufriedensten mit ihrer Work-Life-Balance sind die in der Medien-und Werbebranche Beschäftigten.

Work-Life-Balance im Branchenvergleich

Mitarbeiter der Medien und in der Werbung sind mit ihrer Work-Life-Balance deutlich unzufriedener, als die Mitarbeiter anderer Branchen. (Quelle: Qualtrics)


7. Das Wissen um den eigenen Beitrag zu den Unternehmenszielen

Ziele leisten einen wichtigen Beitrag zur Mitarbeitermotivation. Sie geben Richtung, Struktur und Sinn: 82 Prozent der Befragten, die sich ihres Beitrags zu den Zielen des Unternehmens sehr eindeutig bewusst sind, geben an, mit ihrer Arbeitsstelle zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. Auch hier haben die Branchen mit den motivierteren Mitarbeitern die Nase vorn und jene Branchen, die sich weniger mit den Unternehmenszielen identifizieren können, haben auch weniger motivierte Mitarbeiter: Tourismus und Gastronomie- (4) sowie ITK-Branche (3,74) liegen vorne, die hintersten Plätze belegen die Chemie- (3,19), die Maschinenbau- (3,26) sowie die Medien- und Werbebranche (3,29).

„Auch hier kann professionell betriebene Kommunikation dabei helfen, den Mitarbeitern ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg aufzuzeigen und sie stolz auf ihre Arbeit zu machen. In jedem Mitarbeiter steckt eine Geschichte, die muss man erzählen, zum Beispiel in Blog-Beiträgen, im Intranet oder in der klassischen Mitarbeiterzeitung,“ empfiehlt Berater Burgdorf.

 

8. Emotionale Ausgeglichenheit

Sich realistische Ziele setzen, diese erreichen und Erfolge zu feiern, macht zufrieden. Demotivierend sind hingegen zu viel Stress und Überforderung im Job. Im Branchenvergleich geben Arbeitnehmer aus der Medien- und Werbebranche am häufigsten an, mit ihrer Arbeit gestresst und überfordert zu sein. Auf einer Skala von 1 bis 5, wobei 1 für nie und 5 für immer steht, erreichen sie einen Wert von 2,97. Auf Platz 2 der gestresstesten Mitarbeiter landen die Beschäftigten aus dem Finanzwesen mit einem Wert von 2,8. Die niedrigsten Stresswerte erzielen die Beschäftigten aus der Chemie- (2,38), der Lebensmittel- (2,41) und der Textilbranche (2,42).

 

9. Die faire Entlohnung

Einer der entscheidenden Motivatoren ist mit Sicherheit auch das liebe Geld. Folgendes Bild ergibt sich: Besonders fair bezahlt fühlen sich die Beschäftigten aus dem Finanzwesen. 64 Prozent der Befragten erleben ihr Gehalt als ihrer Leistung angemessen oder als sehr angemessen. Platz 2 teilen sich die Beschäftigten aus der Informations- und Telekommunikationsbranche mit denen aus der Textilbranche. Jeweils 63 Prozent geben an, sie würden angemessen oder sehr angemessen bezahlt. Schlusslicht bildet die Maschinenbaubranche, mit 38 Prozent der Beschäftigten, vor der Chemiebranche, mit 39 Prozent der Beschäftigten, die ihre Bezahlung als angemessen oder als sehr angemessen empfinden.

Zufriedenheit mit dem Gehalt

Mitarbeiter der ITK- und Finanzbranche fühlen sich noch eher angemessen bezahlt, aber auch in diesen Branchen erreicht die Zufriedenheit mit dem Gehalt nur einen Wert von 40 Prozent. Ganz düster sieht es bei Maschinenbau, in der Textlibranche und der Chemie aus. (Grafik: Qualtrics)



10. Die Identifikation mit der Arbeitsstelle

Mitarbeiter sind die besten Markenbotschafter eines Unternehmens. Nur wer zufrieden ist, trägt auch zum positiven Bild seiner Firma bei. So sind 71 Prozent der in der ITK-Branche beschäftigten sehr wahrscheinlich oder wahrscheinlich bereit, ihren Arbeitgeber weiterzuempfehlen. Auch die im Tourismus und in der Gastronomie Beschäftigten sind ihren Arbeitgebern gegenüber loyal: 70 Prozent der Befragten geben an, ihren Arbeitgeber wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich weiterzuempfehlen. Auf dem letzten Platz unter den positiven Multiplikatoren landen die Arbeitnehmer aus der Medien- und Werbebranche, von denen nur 53 Prozent ihren Arbeitgeber wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich weiterempfehlen würden.

 

Sonst: Die innere Kündigung

Wer seinen Arbeitgeber nicht weiterempfehlen würde, hat häufig bereits innerlich gekündigt. So sehen es in der Medien- und Werbe- sowie in der Maschinenbaubranche lediglich die Hälfte der Befragten, nämlich 50 Prozent, als wahrscheinlich oder als sehr wahrscheinlich an, dass sie ihrem Arbeitgeber in den kommenden beiden Jahren treu bleiben werden. Demgegenüber stehen 68 Prozent der in der ITK- sowie in der Tourismus- und Gastronomie-Branche Beschäftigten, die es als wahrscheinlich oder als sehr wahrscheinlich ansehen, auch in zwei Jahren noch beim jetzigen Arbeitnehmer zu sein. Im Gesundheits- und Sozialwesen sind es 65 Prozent der Befragten, die ihrer Arbeitsstelle treu bleiben wollen. Noch bessere Werte erzielten die Automobilbranche mit 77 Prozent und die Lebensmittelbranche mit 72 Prozent der Befragten, die ihrem Arbeitgeber in den kommenden beiden Jahren treu bleiben wollen.

Grafik Mitarbeitertreue

Auch wenn sie nicht zufrieden sind, führen die Mitarbeiter in Werbung und Medien die Treueuzmfrage an. Der maschinenbau kommt auf halb so viele Mitarbeiter, die sich vorstellen können, in zwei Jahren noch beim gleichen Arbeitgeber zu sein. (Grafik: Qualtrics)

 

 

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Kategorie: Studien und Umfragen

Über den Autor ()

Markus Burgdorf ist ausgebildeter Journalist und PR-Berater. Er schreibt heute für Kunden, Medien und seine Webseiten.

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