Nun hat sich die Schaeffler-Gruppe durchgesetzt. Mit dem heutigen Tage hat die tradionsreiche Continental den Offenbarungseid geleistet: Hubertus von Grünberg hat den Aufsichtsratsvorsitz aufgegeben, Schaeffler besetzt den Aufsichtsrat mit vier Vertretern, Continental wird aufgespalten. Damit ist der Worst-Case für Hannover Realität geworden. Verkauft wird das Ganze nun positiv, wie folgende Pressemitteilung auf der Internetseite von Continental belegt:
Zitat Anfang:Continental AG und Schaeffler Gruppe haben die Basis für eine konstruktive Zusammenarbeit auf der Grundlage der Investorenvereinbarung konkretisiert. Der Aufsichtsrat der Continental hat den Vorstand der Continental gebeten, unter der FühÂrung des Vorstandsvorsitzenden Karl-Thomas Neumann Konzepte für eine Kooperation zwiÂschen den Automobilsparten beider Konzerne zu erarbeiten. Es ist das gemeinsame Ziel von Continental und Schaeffler, in Deutschland einen zweiten globalen Champion im AutomobilÂzuliefergeschäft zu schaffen. Zugleich nahm der Aufsichtsrat zustimmend den Vorschlag des Vorstands zur Kenntnis, den Prozess für eine organisatorisch und rechtlich selbstständige Rubber Group (Carve-out) einzuleiten. Dieser Prozess wird unter enger Begleitung des derÂzeitigen Aufsichtsratsvorsitzenden der Continental, Hubertus von Grünberg, erfolgen.
Vor diesem Hintergrund möchte Hubertus von Grünberg den Vorsitz im Aufsichtsrat kurzfrisÂtig zur Verfügung stellen. Der Aufsichtsrat hat sich darauf verständigt, der Schaeffler Gruppe vier Mandate anzubieten, wie dies in der Investorenvereinbarung vorgesehen ist. Die Schaeffler Gruppe hat Maria-Elisabeth Schaeffler, Georg Schaeffler, Jürgen Geißinger und Rolf Koerfer als Kandidaten benannt. Sobald diese Aufsichtsräte vom Amtsgericht bestellt sind, wird der Aufsichtsrat zügig einen neuen Vorsitzenden wählen. Der Aufsichtsrat hat sich weiter auf die Kandidatur von Rolf Koerfer für den Vorsitz verständigt. Hubertus von Grünberg wird dem Aufsichtsrat weiterhin angehören.
Zur Hauptversammlung am 23. April stehen turnusgemäß sämtliche Vertreter der AnteilseigÂner neu zur Wahl. Neben den vier Vertretern des Großaktionärs Schaeffler Gruppe wird der Nominierungsausschuss des Aufsichtsrats sechs Kandidaten benennen. Dem künftig vierÂköpfigen Nominierungsausschuss der Continental werden nach ihrer Bestellung durch das Amtsgericht auch zwei Vertreter der Schaeffler Gruppe angehören. Mit dieser Struktur werÂden im Aufsichtsrat gleichermaßen Kontinuität und die Interessenvertretung aller Aktionäre sichergestellt.
„Ich bin sehr froh, dass wir jetzt nach intensiven Gesprächen eine Lösung gefunden haben, die im Interesse aller Beteiligten ist“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Hubertus von Grünberg. „Für die Erarbeitung eines unternehmerischen Konzeptes für eine selbstständige Rubber Group stehe ich gerne mit meinem Rat zur Verfügung.“
„Ich freue mich sehr, dass das, was gut zusammenpasst, jetzt zusammenwachsen kann“, sagte Maria-Elisabeth Schaeffler. „Es ist meine feste Überzeugung, dass Schaeffler und Continental gemeinsam die wirtschaftlichen Herausforderungen erfolgreich meistern und eine große Zukunft haben werden.“
„Wir haben ein großes Ziel vor Augen. Wir wollen einen zweiten deutschen Champion von Weltformat schaffen“, sagte Vorstandsvorsitzender Karl-Thomas Neumann. „Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir alle an einem Strang ziehen. Und das können wir jetzt.“
„Ich freue mich, dass es gelungen ist, beide Seiten zusammen zu bringen. Gut 200.000 MitÂarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit haben damit mehr Sicherheit“, sagte Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder.
Ende der PressemitteilungSo viele Lügen in einer Pressemitteilung gab es lange nicht mehr. Tatsächlich ist es das Ende der Conti, wie man sie bisher kannte. Der Reifenbereich, bis zur Übernahme der Teves das Herz der Gesellschaft, wird ausgegliedert. Unter “carve out” versteht man, das Herausnehmen eines Unternehmensbereiches, um diesen als eigenständiges Unternehmen wiederum an die Börse zu bringen, wobei man die Mehrheit behält. In der aktuellen Situation von Schaeffler und Continental eine Chance, Geld einzusammeln. Von Grünberg soll diesen Prozess nun begleiten, das ist ein Rest Anstand von Schaeffler in dieser Situation, mehr nicht. Ein richtiger Rückzug von Grünbergs wäre konsequenter und ehrlicher gewesen, der Situation angemessen.
Ob die von Frau Schaeffler prognostizierte Zukunft stattfinden kann, hängt allein an den Banken, die längst das Sagen über beide Unternehmen haben. Es ist ein Jammer, wie Vorstand und Aufsichtsrat der Continental das Unternehmen innerhalb kürzester Zeit mit Vollgas gegen die Wand gefahren haben. Die Gratulation in Richtung Schaeffler für den Sieg will einem nicht recht über die Lippen kommen, zu groß sind die Probleme, die man sich mit der Übernahme der Continental aufgehalst hat. Da kann ein solcher Sieg auch zum Pyrrhussieg werden…